Verwandschaftsgrad bei der Zucht

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    • Verwandschaftsgrad bei der Zucht

      Hallo miteinander
      Ich würde gerne wissen, wie eng der Verwandschaftsgrad sein darf, wenn ihr ein Paar zur Zucht ansetzt ?
      Ich halte ja wildfarbene (reinerbig) Goulds und habe bislang nicht-verwandte Eltern-Tiere gehabt.
      (Es geht mir also nicht um die Zucht von bestimmten Farbschlägen. Ich weiß das für Farbzuchten auch eng-verwandte Tiere verpaart werden.)

      Wie eng darf eigentlich der Verwandschaftsgrad sein ? Bzw., wie eng laßt ihr ihn zu / was ist üblich ?

      LG Rolf
    • Hallo Rolf,
      eine gute Frage , ein sehr gutes Thema, das sicherlich schon viele beschäftigt hat und da ich gerade gut drauf bin muss ich natürlich auch dazu etwas sagen.
      Ich war schon immer total verunsichert, was denn wirklich möglich ist oder erlaubt bleiben soll.
      Ich persönlich, da sind wir schon wieder bei meinen Lieblingen, den Grauedelsängern, habe ich durchaus auch die Verpaarung von Eltern mit Kindern aber im Notfall auch Geschwisterverpaarungen vorgenommen. Viele haben mich gewarnt vor Kleinwuchs, Behinderungen etc., das Gegenteil war der Fall.
      Wenn ich heute gefragt werde, warum das so war, kann ich nur sagen, ich hatte Glück und ich habe relativ konsequent (soweit ich mich erinnern kann) nach spätestens zwei Generationen neues Blut eingekreuzt. War früher aber auch leichter als heute, da zu Hunderten im Handel vorrätig.
      Hätte in irgendeiner Form eine Degeneration im genetischen Bereich vorgelegen, die man nicht sieht, so hätte diese bei eventuell rezessiver oder auch autosomaler Vererbung durchaus fürchterliche Auswirkungen auf die Nachzucht haben können.
      Was kann man Dir jetzt zu Deiner Frage sagen?

      Eine Verpaarung in erster Generation sollte in der Regel (sofern man keinen entsprechenden Partner findet) unproblematisch sein. Dann sollte jedoch die Suche nach frischem Blut unbedingt beginnen.

      Alle, die Sorgen haben, Ihren Tieren Negatives anzutun, sei die Geschichte der Nene oder auch Hawaiigans genannt in Erinnerung gerufen; aus 30 Exemplaren wurde vorübergehend bis 1999 eine Population von 1.000 Exemplaren aufgebaut (nachzulesen auf Wikipedia.de oder in entsprechenden Fachzeitschriften), ohne erkennbare degenerative Veränderungen bei nicht zu vermeidender Inzucht.
      Bei den Bisons in Nordamerika läuft eigentlich die gleiche Geschichte ab.
      Viele Biologen behaupten durchaus auch heute noch, dass eine Population von unter 100 Exemplaren durch Inzuchtdepression zum Aussterben verurteilt ist!


      Also: Wenn immer möglich blutsfremd - aber verteufeln wir nicht diejenigen, die aus bestimmten Gründen ein Geschwisterpaar nachzüchten lassen; das hat selbst der sicher jedem bekannte Siegfried Kirschke mit seinen Schamadrosseln so gehalten, als er ein junges Geschwisterpaar, das sich offensichtlich "geliebt" hat, nicht getrennt sondern mit Erfolg zur Zucht zugelassen hat.
      Und er war sich auch nicht sicher, ob das jetzt richtig war, hier ist oft auch Bauchgefühl gefragt.
      Ganz wichtig: Bei Abgaben sollte man den Verwandschaftsgrad nicht verschweigen.
      Gruß Werner
    • Hallo Rolf,
      schon wieder ich. Ich habe heute viel Zeit zu beobachten und bin etwas überrascht nach 38 Zugriffen keine weitere Antwort zu sehen. 38 Zugriffe bedeutet mehr als 30 Menschen - da muss mir doch jemand zustimmen oder mir total widersprechen.
      Rolf, lies meinen Text, verlass Dich auf Deinen Bauch und warte auf die nächsten Tage, da kommt sicher noch einiges.
      Gruß Werner
    • Hallo Werner,
      Danke schon mal für deinen Beitrag.
      Ja, die möglichen Folgen solch einer Verpaarung sind die eine Sache.

      Von einem Biologen aus einem anderen Forum (andere Tierart) weiß ich, daß dies überhaupt keine
      negativen Folgen bedeuten muß.

      Ich überlege auch, wenn Goulds in der Wildnis in Schwärmen leben, kommt es doch sicher zwangsläufig
      vor, daß eng verwandte Tiere sich verpaaren !?
      Es ist ja nicht so wie bei Herden-Säugetieren, wo die Nachkommen irgendwann vertrieben werden bzw. ihre
      eigenen Wege gehen und die Herde verlassen.

      Außerdem habe ich auch schon das Argument gehört, daß die Tiere die man (zB. hier in BRD) erhält, sowieso
      letztlich eng verwandt sein müssen, da sie ja aus einem Begrenzten Pool (nämlich eine begrenzte Anzahl von
      Züchtern die eine begrenzte Anzahl von Tieren besitzt) stammen..

      Dennoch habe ich irgendwie eine Hemmung bei dem Gedanken, zB. Nachkommen mit den Eltern o.ä. zu verpaaren.
      Zugegeben, das ist eher eine Gefühlssache und nicht unbedingt rational :)

      Trotzdem fände ich es interessant mal die anderen zu hören. Vielleicht gibt es ja noch weitere Beiträge..

      Schönes WE allen

      Rolf
    • Ich betreibe ja "nur" eine Hobbyzucht. Da ich nur auf sehr kleinem Raum ( drei Zuchtboxen) züchte stellt sich mir die Frage mit der Verwandschaft unter meinen Mövchen nicht. Ich ziehe immer mit blutsfremden Vögeln. Ich passe auf wenn ich mit wem ansetzte, nicht nur damit ich den gewünschten Farbschlag erhalte.
      Wenn man über Generationen Geschwister verpaart kann es kritisch werden. Die Vögel zeigen Inzuchtschäden in Form von geringer Größe und anderem. Bei der Verpaarung von Jungvögeln zurück an die Eltern (Rückverpaarung) möchte man bestimmte Merkmale festigen oder rausfinden woher sie kommen. Alles im allen habe ich nichts dagen wenn man sich nach den ersten ein zwei Generationen nach frisch Blut umschaut, so viel rumgematsche muss auch nicht sein. So seh ich das. Habe zum Beispiel drei Graufuchsrote Mövchen gekauft, alles Geschwister alle verdammt klein aber sehr schönes helles grau. Die sind halb so groß wie meine weiße Henne. Bei den drei haben sich zwei als Pärchen zusammen getan und obwohl es wirklich schwierig ist welche hier aufzutreiben habe ich mir noch Graufuchsrote und Fuchsrote in Erfurt gekauft um die Geschwister blutsfremd zu verpaaren auch wenn die daraus entstehenden Jungvögel dunkler werden. Ich persönlich mache keine Verpaarungen mit Geschwistern oder Eltern mit Jungvögeln so weit ich mich erinnern kann hab ich das all die Jahre nicht gemacht. Dazu habe ich aber auch nur eine mini kleine Hobbyzucht wo sich sowas nicht lohnen würde.
      :paul: Gruß Jessi :paul:
      :blaukopf: :jap.mövchen: :muskatfink:
    • Ich habe immer darauf geachtet, dass ich ich blutsfremde Paare zusammen stelle.
      Ich hätte bei Geschwisterverpaarungen ehrlich gesagt nicht nur Angst, dass die Vögel zu klein werden, sondern vor Fehlbildungen und gesundheitlichen Problemen haben.

      Vater + Tochter und Mutter + Sohn wird ja in der Linienzucht praktiziert, soweit ich weiß.
      Das finde ich aber bei auch nicht so prickelt. Das würde ich auch lassen, und in deinem Fall Rolf, lieber versuchen blutsfremde Vögel dazu zu holen.
      :dornastrild: Liebe Grüße Sternchen :gemalte:
    • @ Rolf:

      Ich kann Dich verstehen. Goulds werden zwar ausreichend nachgezogen. Garantiert reinerbige zu finden ist dagegen ziemlich schwer. Ich habe derzeit zwei blutsfremde Paare und werde auch versuchen, eine Verwandtschaftsverpaarung zu vermeiden. Die ganzen Farbschläge bei den Goulds sind ja Verlustmutationen, die überwiegend durch Inzucht entstanden sind. Wenn wir mutationsfreie wildfarbene Stämme erhalten wollen, müssen wir versuchen, einen möglicht breiten Genpool aufzubauen. Ich habe deshalb zur GAV Verbindung aufgenommen. Hier wird versucht, den Austausch der Vögel so zu koordinieren, dass möglichst viele blutsfremde Verpaarungen entstehen können. Außerdem wird versucht, konsequent Zuchtbuch zu führen, um den Überblick der Verpaarungen zu behalten.

      Beste Grüße
      Jens
    • Hallo Jens
      Die GAV habe ich kontaktiert.
      Die Dame die für den Bereich "Goulds" als Ansprechpartnerin zu kontaktieren ist,
      hat meine Mail an einen Züchter in meiner Nähe weitergeleitet.
      Leider kam keine Antwort.
      Den Züchter von dem ich ursprünglich vor Jahren meine ersten Tiere hatte,
      scheint auch nicht mehr erreichbar.
      Momentan schwierig..

      LG Rolf
    • Also um das ganze mal auf einen Nenner zu bringen: Verwandschaftsverpaarungen nur dann, wenn´s gar nicht anders geht!
      Unproblematisch dürften meines Erachtens Verpaarungen von "Grosscousins" und "Grosscousinen" u.ä. sein!
      Nebenbei bemerkt Verwndte dritten Grades dürfen sogar heiraten........ ;) ;) ;)
      :gouldians: Grüße aus Köln von Michael und der : :gouldians: