Pinned Erfahrungsbericht "Zucht von Schönbürzeln"

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    • Erfahrungsbericht "Zucht von Schönbürzeln"

      An dieser Stelle möchte ich kurz über meine Erfahrungen mit der Zucht von Schönbürzeln berichten.

      Im vergangenen Jahr habe ich meinen Bestand um ein Paar Schönbürzel erweitert. Dieses Paar, welches ich von einem Züchter aus Bayern erhalten habe, harmonierte von der ersten Sekunde an sehr gut. Dieses Paar wurde bzw. wird in einer Flugvoliere im Keller mit 2,3 Bengalus Schmetterlingsfinken sowie 1,1 Orangebäckchen und 1,1 Forbes Papageiamadinen gehalten.

      Im Mai begann ich mit den Zuchtvorbereitungen, d. h. es wurde u. a. täglich Keimfutter und in unregelmäßigen Abständen animalisches Futter gereicht. Im Juni wurden dann die Nistmöglichkeiten in Form von klassischen halboffenen Exotennistkästen und Exotennistkörbchen aus Kokosfasern eingebracht. Zudem wurde entsprechendes Nistmaterial, wie Kokosfasern braun und hell, getrocknete Gräser sowie leere Rispen der Silberhirse angeboten. Die Schönbürzel bevorzugten ein Exotennistkörchen aus Kokosfasern im oberen Bereich der Voliere. Dieser Bereich war aber sonst vollkommen frei, d. h. hier war kein zusätzlicher Sichtschutz angebracht. Es standen jedoch vergleichbare Nistkörbchen in versteckten Bereichen der Voliere zur Verfügung. Das Nest wurde auf bekannte "Schönbürzelart" hergerichtet. Es wurde eine lange nach unten gerichtete „Eingangsröhre“ aus Kokosfasern errichtet in der die Tiere blitzartig hineinflogen und verschwanden. Das Nest wurde mit allem möglichen dekoriert. Ein Hahnnest wurde hingegen nicht errichtet. Ab dem 23.07.2019 konnte ich dann feststellen, dass eines der beiden Tiere sich nicht im Bereich der Voliere aufhielt. Daher vermerkte ich mir diesen Tag als Brutbeginn. Gebrütet wurde vergleichsweise fest. Nur ein längerer Aufenthalt bzw. das Betreten der Voliere bewegte die Altvögel dazu das Nest zu verlassen. Am 04.08.2019 wage ich eine vorsichtige Nistkontrolle und konnte einen geschlüpften Jungvogel sowie zwei weitere Eier ertasten. Einen Tag später tastete ich nochmals das Nest aus, ohne dabei die Eingangsröhre zu beschädigen. Dabei konnte ich den Schlupf eines weiteren Jungvogels feststellen. Am 11.08.2019 wage ich dann die Jungvögel zu beringen. Zuvor von diesem heiklen Unterfangen gelesen, ging ich entsprechend nervös an die Operation „Beringung“ heran. Mit viel Geschick gelang es mir jedoch, die zwei geschlüpften Jungvögel aus dem Nest zu „fummeln“. Das Beringen klappte problemlos, wobei mir die Jungvögel etwas „schmächtig“ erschienen. Ich hatte auch die Befürchtung, dass diese die Ringe aufgrund des zögerlichen Entwicklungsstandes verlieren könnten. Beringt wurde mit 2,2er Ringen. Eine Kennzeichnung mit Farbringe habe ich zu diesem Zeitpunkt jedoch unterlassen. Die Altvögel verübelten mir weder die kurzzeitigen Nistkontrollen noch das Beringen der Jungvögel. Die Jungen wurden fleißig weiter gefüttert. Ab dem neunten Tag wurden die Jungen tagsüber nicht mehr gehudert. Am 27.08.2019, d. h. im Alter von 23 bzw. 24 Tagen verließen die Jungen das Nest. Zumindest konnte ich es an diesem Tag erstmalig beobachten. Es kann durchaus sein, dass die Jungen schon früher das Nest zum ersten Mal verlassen haben und dann nach einem kurzen Ausflug dieses sofort wieder aufsuchten. Dieses Verhalten konnte ich zumindest bei der zweiten Brut beobachten. Wie ich befürchtet hatte, hat eines der Jungvögel seinen Ring verloren bzw. dieser wurde abgestreift. Es war jedoch ohne Problem möglich, diesen Jungvogel im Alter von 23 Tagen, d. h. unmittelbar nach dem Ausfliegen, mit einem 2,5er Ring nach zu beringen. Zugleich wurden die zwei Jungvögel mit 2,5er Farbringen gekennzeichnet. Während dieser Zeit hatten die Altvögel bereit ein neues Nest von gleicher Art bezogen und mit einer beeindruckenden Eingangsröhre versehen. Hier wurden unmittelbar nach dem Ausfliegen der Jungvögel zwei Eier gelegt. Die Jungvögel folgten den Alten jedoch unaufhörlich und „besetzten“ auch dieses Nest. Erst mit dem Erreichen der Selbstständigkeit der Jungvögel wurden diese vom 1,0 aus der unmittelbaren Nähe des neuen Nestes vertrieben. Kurze Zeit später konnte ich fünf Eier ertasten. Wie bei der ersten Brut war eines Tages nur noch ein Altvogel in der Voliere zu entdecken. So notierte ich mir abermals diesen Tag, es war der 09.09.2019, als Brutbeginn. Am 23.09.2019 wagte ich erneute eine Kontrolle und ertastete zwei Jungvögel und ein Ei. Die zwei weiteren Eier waren verschwunden. Aufgrund der Erfahrungen mit der ersten Brut habe ich die Beringung der Jungvögel erst im Alten von zehn Tagen durchgeführt. Auch hierbei hieß es wieder „Fummeln“. Zwar habe ich zuvor viel von einer Öffnung des Nestes am hinteren bzw. oberen Bereich gelesen, hielt diese Methode jedoch bei den Exotennistkörbchen für zu gewagt und habe mich daher für die „altbewährte“ Art und Weise entschieden. Das Beringen klappte abermals problemlos und die Jungvögel erschienen mir diesmal auch hierfür entsprechend entwickelt. Beringt wurde abermals mit 2,2er 2019-Ringen. Ein Tag später, d. h. am 04.10.2019, trafen die 2020-Ringe ein. Am 19.10.2019 konnte ich erstmal die Jungvögel außerhalb des Nestes beobachten, nach wenigen Minuten waren sie jedoch wieder im Nest verschwunden, wo sie sich auch vorrangig aufhielten. Auch wurden die Jungvögel während dieser Zeit mit Farbringen gekennzeichnet. Die Jungvögel der ersten Brut begannen im Alter von ca. sechs Wochen mit der Jungmauser. Die Jungmauser ging recht unscheinbar von statten. Während dieser Zeit war es auch möglich, die Geschlechter zu bestimmen, da die jungen Männchen in diesem Alter mit den ersten Gesangsübungen beginnen. So konnte ich ohne Probleme feststellen, dass aus der ersten Brut 2,0 entsprungen sind. Diese singen auch heute noch fleißig weiter.

      Zur Nahrung:
      Gereicht wurde täglich Keimfutter, welches sich zu 70% aus Knaulgras sowie im Übrigen jeweils zu gleichen Anteilen aus Senegal-, Manna-, Mohair- Japan-, Borsten-, Plata-, und grüner Hirse zusammensetzt. Die Futtermischung stelle ich selbst aus Einzelsaaten zusammen. Außerhalb der Zuchtperiode wird diese Mischung „trocken“ gereicht. Zudem wird diese Mischung mit einem minimalen Anteil an Spitzsaat sowie gebrochenen Haferkernen ergänzt. Im Weiteren steht den Tieren stets eine Mischung aus Wildsämereien zur Verfügung. Während der Aufzucht der Jungen habe ich zudem täglich eine kleine flache Schale mit Fonio Paddy gereicht sowie ein bis zwei halbreife lockere Kolbenhirsen. Außerhalb der Zucht gibt dieses Zusatzfutter einmal wöchentlich. Ab dem neunten Tag habe ich den Futterplan um halbreife Silberhirse ergänzt. Diese steht ganz oben auf der Beliebtheitsskala bei Schönbürzeln. Eine Trockennektarmischung ist während der Jungenaufzucht von Schönbürzeln obligatorisch. Dieser wurde auch immer gut zugesprochen. Auch steht immer eine Gritmischung mit zuvor erhitzter und zerstoßener Eierschale zur Verfügung. Dieser Mischung wird ein wenig Vitakalk und Nekton MSA untergemischt. Weiterhin haben die Tiere alle zwei Tage Gurke und einmal wöchentlich Vogelmiere erhalten.

      Nun zum Wesentlichen, den tierischen Bestandteilen des Futters. Angeboten wurden gefrostete und zerkleinerte Pinkys in einer großen Schüssel mit „Haustiererde“. Die Pinkys wurden vorab in Nekton MSA gewälzt. Ich konnte jedoch nicht feststellen, dass die Schönbürzel diese aufgenommen haben. Weiterhin standen nahezu unbegrenzt Drosophila zur Verfügung. Diese wurde zuvor umfangreich selbst gezüchtet. Außer den Begalus konnte ich jedoch nicht beobachten, dass dies angenommen wurden. Um diese flugunfähigen Fruchfliegen aus ihrer Behausung, einem Einweckglas, welches der Zucht diente, zu locken, legte ich zudem eine geschälte Banane in die Voliere. Dabei konnte ich feststellen, dass diese von den Schönbürzel in nicht unerheblichem Maß aufgenommen wurde. Daher erweitere ich den Futterplan in unregelmäßigen Abständen um ein Stück geschälte Banane. Das Mittel zum Erfolg scheinen aus meiner Sicht jedoch weiße Mückenlarven zu sein. Diese habe ich in einer flachen Schale, in der Mitte mit einem Stein versehen, sodass diese nicht zum Baden genutzt werden kann, zur Verfügung gestellt. Die Schönbürzel waren bereits vor der Brut an die Mückenlarven gewöhnt. Diese stellte ich unregelmäßig den Begalus zur Verfügung, wurden bzw. werden jedoch von allen Voliereninsassen bevorzugt aufgenommen. Zu Brutbeginn habe ich zweimal täglich eine Packung von 45 ml gereicht. Später, ca. ab dem zehnten Tag, habe ich zweimal täglich eine Packung von 90 ml gereicht. Die Altvögel waren sofort bei diesem bereitgestellten Futtermittel und haben die Mückenlarven förmlich aufgesaugt. Während der ersten sieben Tage konnte ich auch nur feststellen, dass sie diese verfüttert haben. Erst im weiteren Verlauf konnte ich beobachten, dass sie zusätzlich noch Keimfutter bzw. Kolbenhirse und Fonio Paddy aufgenommen und verfüttert haben.

      Eine Anmerkung noch zu den Mückenlarven. Diese waren während der ersten Brut regional nicht mehr zu beziehen. Nun war guter Rat teuer. Bei eBay bin ich jedoch fündig geworden und habe einen ausgezeichnete Zoohändler gefunden, welcher diese Mückenlarven preiswert und in einer Spitzenqualität, trotz Versand, liefert. Sofern gewünscht, ergänze ich diesen Artikel gerne um die Angaben des Zoohändlers.
      Auch beantworte ich gerne Fragen.

      Bis dahin viele Grüße aus dem Saarland

      Matthias

      PS: An dieser Stelle möchte ich noch ganz herzlichen meinen Zuchtfreund André aus Schönefeld sowie die Mitglieder der WhatsApp-Gruppe „Afrikanische Prachtfinken“ grüßen
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    • Jungvögel 1. Brut
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    • Jungvögel 2. Brut
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    • Nest
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    • Schönbürzel
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    • Hallo matthias81m,

      herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Zucht der Schönbürzel, soweit habe ich es bisher noch nicht geschafft. Beim letzten Versuch sind 2 Küken geschlüpft, aber nicht weiter gefüttert worden.
      Ich werde es mal mit ein paar Tipps aus deinem Bericht versuchen.
      :orangebäckchen: :schönbürzel: Viele Grüße von bengalus :schmetti: :blaukopf:

      The post was edited 1 time, last by bengalus ().

    • Danke!

      Noch ein paar Bilder von den Mückenlarven.
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    • matthias81m wrote:

      An dieser Stelle möchte ich kurz über meine Erfahrungen mit der Zucht von Schönbürzeln berichten.

      Im vergangenen Jahr habe ich meinen Bestand um ein Paar Schönbürzel erweitert. Dieses Paar, welches ich von einem Züchter aus Bayern erhalten habe, harmonierte von der ersten Sekunde an sehr gut. Dieses Paar wurde bzw. wird in einer Flugvoliere im Keller mit 2,3 Bengalus Schmetterlingsfinken sowie 1,1 Orangebäckchen und 1,1 Forbes Papageiamadinen gehalten.

      Im Mai begann ich mit den Zuchtvorbereitungen, d. h. es wurde u. a. täglich Keimfutter und in unregelmäßigen Abständen animalisches Futter gereicht. Im Juni wurden dann die Nistmöglichkeiten in Form von klassischen halboffenen Exotennistkästen und Exotennistkörbchen aus Kokosfasern eingebracht. Zudem wurde entsprechendes Nistmaterial, wie Kokosfasern braun und hell, getrocknete Gräser sowie leere Rispen der Silberhirse angeboten. Die Schönbürzel bevorzugten ein Exotennistkörchen aus Kokosfasern im oberen Bereich der Voliere. Dieser Bereich war aber sonst vollkommen frei, d. h. hier war kein zusätzlicher Sichtschutz angebracht. Es standen jedoch vergleichbare Nistkörbchen in versteckten Bereichen der Voliere zur Verfügung. Das Nest wurde auf bekannte "Schönbürzelart" hergerichtet. Es wurde eine lange nach unten gerichtete „Eingangsröhre“ aus Kokosfasern errichtet in der die Tiere blitzartig hineinflogen und verschwanden. Das Nest wurde mit allem möglichen dekoriert. Ein Hahnnest wurde hingegen nicht errichtet. Ab dem 23.07.2019 konnte ich dann feststellen, dass eines der beiden Tiere sich nicht im Bereich der Voliere aufhielt. Daher vermerkte ich mir diesen Tag als Brutbeginn. Gebrütet wurde vergleichsweise fest. Nur ein längerer Aufenthalt bzw. das Betreten der Voliere bewegte die Altvögel dazu das Nest zu verlassen. Am 04.08.2019 wage ich eine vorsichtige Nistkontrolle und konnte einen geschlüpften Jungvogel sowie zwei weitere Eier ertasten. Einen Tag später tastete ich nochmals das Nest aus, ohne dabei die Eingangsröhre zu beschädigen. Dabei konnte ich den Schlupf eines weiteren Jungvogels feststellen. Am 11.08.2019 wage ich dann die Jungvögel zu beringen. Zuvor von diesem heiklen Unterfangen gelesen, ging ich entsprechend nervös an die Operation „Beringung“ heran. Mit viel Geschick gelang es mir jedoch, die zwei geschlüpften Jungvögel aus dem Nest zu „fummeln“. Das Beringen klappte problemlos, wobei mir die Jungvögel etwas „schmächtig“ erschienen. Ich hatte auch die Befürchtung, dass diese die Ringe aufgrund des zögerlichen Entwicklungsstandes verlieren könnten. Beringt wurde mit 2,2er Ringen. Eine Kennzeichnung mit Farbringe habe ich zu diesem Zeitpunkt jedoch unterlassen. Die Altvögel verübelten mir weder die kurzzeitigen Nistkontrollen noch das Beringen der Jungvögel. Die Jungen wurden fleißig weiter gefüttert. Ab dem neunten Tag wurden die Jungen tagsüber nicht mehr gehudert. Am 27.08.2019, d. h. im Alter von 23 bzw. 24 Tagen verließen die Jungen das Nest. Zumindest konnte ich es an diesem Tag erstmalig beobachten. Es kann durchaus sein, dass die Jungen schon früher das Nest zum ersten Mal verlassen haben und dann nach einem kurzen Ausflug dieses sofort wieder aufsuchten. Dieses Verhalten konnte ich zumindest bei der zweiten Brut beobachten. Wie ich befürchtet hatte, hat eines der Jungvögel seinen Ring verloren bzw. dieser wurde abgestreift. Es war jedoch ohne Problem möglich, diesen Jungvogel im Alter von 23 Tagen, d. h. unmittelbar nach dem Ausfliegen, mit einem 2,5er Ring nach zu beringen. Zugleich wurden die zwei Jungvögel mit 2,5er Farbringen gekennzeichnet. Während dieser Zeit hatten die Altvögel bereit ein neues Nest von gleicher Art bezogen und mit einer beeindruckenden Eingangsröhre versehen. Hier wurden unmittelbar nach dem Ausfliegen der Jungvögel zwei Eier gelegt. Die Jungvögel folgten den Alten jedoch unaufhörlich und „besetzten“ auch dieses Nest. Erst mit dem Erreichen der Selbstständigkeit der Jungvögel wurden diese vom 1,0 aus der unmittelbaren Nähe des neuen Nestes vertrieben. Kurze Zeit später konnte ich fünf Eier ertasten. Wie bei der ersten Brut war eines Tages nur noch ein Altvogel in der Voliere zu entdecken. So notierte ich mir abermals diesen Tag, es war der 09.09.2019, als Brutbeginn. Am 23.09.2019 wagte ich erneute eine Kontrolle und ertastete zwei Jungvögel und ein Ei. Die zwei weiteren Eier waren verschwunden. Aufgrund der Erfahrungen mit der ersten Brut habe ich die Beringung der Jungvögel erst im Alten von zehn Tagen durchgeführt. Auch hierbei hieß es wieder „Fummeln“. Zwar habe ich zuvor viel von einer Öffnung des Nestes am hinteren bzw. oberen Bereich gelesen, hielt diese Methode jedoch bei den Exotennistkörbchen für zu gewagt und habe mich daher für die „altbewährte“ Art und Weise entschieden. Das Beringen klappte abermals problemlos und die Jungvögel erschienen mir diesmal auch hierfür entsprechend entwickelt. Beringt wurde abermals mit 2,2er 2019-Ringen. Ein Tag später, d. h. am 04.10.2019, trafen die 2020-Ringe ein. Am 19.10.2019 konnte ich erstmal die Jungvögel außerhalb des Nestes beobachten, nach wenigen Minuten waren sie jedoch wieder im Nest verschwunden, wo sie sich auch vorrangig aufhielten. Auch wurden die Jungvögel während dieser Zeit mit Farbringen gekennzeichnet. Die Jungvögel der ersten Brut begannen im Alter von ca. sechs Wochen mit der Jungmauser. Die Jungmauser ging recht unscheinbar von statten. Während dieser Zeit war es auch möglich, die Geschlechter zu bestimmen, da die jungen Männchen in diesem Alter mit den ersten Gesangsübungen beginnen. So konnte ich ohne Probleme feststellen, dass aus der ersten Brut 2,0 entsprungen sind. Diese singen auch heute noch fleißig weiter.

      Zur Nahrung:
      Gereicht wurde täglich Keimfutter, welches sich zu 70% aus Knaulgras sowie im Übrigen jeweils zu gleichen Anteilen aus Senegal-, Manna-, Mohair- Japan-, Borsten-, Plata-, und grüner Hirse zusammensetzt. Die Futtermischung stelle ich selbst aus Einzelsaaten zusammen. Außerhalb der Zuchtperiode wird diese Mischung „trocken“ gereicht. Zudem wird diese Mischung mit einem minimalen Anteil an Spitzsaat sowie gebrochenen Haferkernen ergänzt. Im Weiteren steht den Tieren stets eine Mischung aus Wildsämereien zur Verfügung. Während der Aufzucht der Jungen habe ich zudem täglich eine kleine flache Schale mit Fonio Paddy gereicht sowie ein bis zwei halbreife lockere Kolbenhirsen. Außerhalb der Zucht gibt dieses Zusatzfutter einmal wöchentlich. Ab dem neunten Tag habe ich den Futterplan um halbreife Silberhirse ergänzt. Diese steht ganz oben auf der Beliebtheitsskala bei Schönbürzeln. Eine Trockennektarmischung ist während der Jungenaufzucht von Schönbürzeln obligatorisch. Dieser wurde auch immer gut zugesprochen. Auch steht immer eine Gritmischung mit zuvor erhitzter und zerstoßener Eierschale zur Verfügung. Dieser Mischung wird ein wenig Vitakalk und Nekton MSA untergemischt. Weiterhin haben die Tiere alle zwei Tage Gurke und einmal wöchentlich Vogelmiere erhalten.

      Nun zum Wesentlichen, den tierischen Bestandteilen des Futters. Angeboten wurden gefrostete und zerkleinerte Pinkys in einer großen Schüssel mit „Haustiererde“. Die Pinkys wurden vorab in Nekton MSA gewälzt. Ich konnte jedoch nicht feststellen, dass die Schönbürzel diese aufgenommen haben. Weiterhin standen nahezu unbegrenzt Drosophila zur Verfügung. Diese wurde zuvor umfangreich selbst gezüchtet. Außer den Begalus konnte ich jedoch nicht beobachten, dass dies angenommen wurden. Um diese flugunfähigen Fruchfliegen aus ihrer Behausung, einem Einweckglas, welches der Zucht diente, zu locken, legte ich zudem eine geschälte Banane in die Voliere. Dabei konnte ich feststellen, dass diese von den Schönbürzel in nicht unerheblichem Maß aufgenommen wurde. Daher erweitere ich den Futterplan in unregelmäßigen Abständen um ein Stück geschälte Banane. Das Mittel zum Erfolg scheinen aus meiner Sicht jedoch weiße Mückenlarven zu sein. Diese habe ich in einer flachen Schale, in der Mitte mit einem Stein versehen, sodass diese nicht zum Baden genutzt werden kann, zur Verfügung gestellt. Die Schönbürzel waren bereits vor der Brut an die Mückenlarven gewöhnt. Diese stellte ich unregelmäßig den Begalus zur Verfügung, wurden bzw. werden jedoch von allen Voliereninsassen bevorzugt aufgenommen. Zu Brutbeginn habe ich zweimal täglich eine Packung von 45 ml gereicht. Später, ca. ab dem zehnten Tag, habe ich zweimal täglich eine Packung von 90 ml gereicht. Die Altvögel waren sofort bei diesem bereitgestellten Futtermittel und haben die Mückenlarven förmlich aufgesaugt. Während der ersten sieben Tage konnte ich auch nur feststellen, dass sie diese verfüttert haben. Erst im weiteren Verlauf konnte ich beobachten, dass sie zusätzlich noch Keimfutter bzw. Kolbenhirse und Fonio Paddy aufgenommen und verfüttert haben.

      Eine Anmerkung noch zu den Mückenlarven. Diese waren während der ersten Brut regional nicht mehr zu beziehen. Nun war guter Rat teuer. Bei eBay bin ich jedoch fündig geworden und habe einen ausgezeichnete Zoohändler gefunden, welcher diese Mückenlarven preiswert und in einer Spitzenqualität, trotz Versand, liefert. Sofern gewünscht, ergänze ich diesen Artikel gerne um die Angaben des Zoohändlers.
      Auch beantworte ich gerne Fragen.

      Bis dahin viele Grüße aus dem Saarland

      Matthias

      PS: An dieser Stelle möchte ich noch ganz herzlichen meinen Zuchtfreund André aus Schönefeld sowie die Mitglieder der WhatsApp-Gruppe „Afrikanische Prachtfinken“ grüßen
      Hallo Matthias,

      Gratuliere mit deinem schonen Zuchterfolg mit Schonburzeln, ein umfangreicher Zuchtbericht unterstutzt von vielen Fotos wirklich wunderschon. Anfanger und Prachtfinkenliebhaber die schon langer Prachtfinken zuchten konnen vieles lernen durch dieses Zuchtbericht.

      Salvadori